Aus einem Haus für die Jugend entwickelte sich in zwei Jahren eine Anlaufstelle für Menschen jeden Alters:
Das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Quakenbrück an der Friedrichstraße 37a ist auf einem guten Weg. Nach einem gelungenen Auftakt mit vielen motivierenden Worten aus dem Mund von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen folgten arbeitsreiche Monate. Das Mehrgenerationenhaus musste sich positionieren und ist inzwischen fester Bestandteil des Lebens in der Samtgemeinde Artland.
Urthe Böhnert, die Geschäftsführerin des Vereins für Jugendhilfe, der seit zehn Jahren an der Friedrichstraße in Quakenbrück aktiv ist, erinnert sich an den Zuschlag für das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus: „Wir haben uns damals durchgesetzt gegen drei andere Träger im Landkreis Osnabrück und sind bundesweit als zweites Mehrgenerationenhaus anerkannt worden.“ Zwei Jahre des auf fünf Jahre angelegten Modells Mehrgenerationenhaus mit finanzieller Förderung und wissenschaftlicher Begleitung sind inzwischen bewältigt. Für Urthe Böhnert sind zwei Dinge klar: „Das MGH passt in den Verein für Jugendhilfe. Wir stellen uns dem demografischen Wandel und betrachten die Einrichtung als eine große Herausforderung, an der permanent gearbeitet werden muss.“
Generationenübergreifende Angebote sind unter anderem mit dem Seniorencafé, dem Erzählcafé und auch mit der Schreibwerkstatt aus der Taufe gehoben worden. Kinderbetreuung und das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen spielen eine Rolle. Zwei Schwerpunkte, die in Zukunft verstärkt herausgearbeitet werden sollen, sind eine Informations- und Dienstleistungsdrehscheibe und die Einbeziehung der lokalen Wirtschaft.
Die Projekte des Vereins für Jugendhilfe passen gut ins Mehrgenerationenhaus. Urthe Böhnert erinnert an Kurse zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss, an den sozialpädagogischen Hort und Integrationsprojekte, die in enger Kooperation mit Schule, Jugendamt und Verein für Jugendhilfe verfolgt werden. Kinder- und Jugendarbeit ist in den unterschiedlichsten Facetten auf den Weg gebracht worden. Ausfluss eines Qualifizierungsprojektes ist das im Mehrgenerationenhaus etablierte Catering, das auch für Kindergärten und Schulen kocht, aber auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. Entsprechende Räumlichkeiten des Mehrgenerationenhauses stehen für Familienfeiern zur Verfügung. Vereine können ihre Versammlungen gegen eine sehr geringe Miete veranstalten. „Drei Euro pro Stunde. Dieser Betrag ist erforderlich, weil wir die Nebenkosten erwirtschaften müssen“, sagt die Geschäftsführerin.
Der große Wunsch von Urthe Böhnert: „Ich möchte dahinwirken, dass sich das Haus in drei Jahren selber trägt.“ Das MGH sollte ein Haus der Begegnung und der Generationen sein. „Dafür müssen wir laufend strampeln und immer neue Projekte entwickeln, um im Gespräch zu bleiben. „Die Ideen gehen uns nicht aus“, sagt die Chefin eines 20-köpfigen Teams und verweist stolz darauf, dass viele Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit heraus rekrutiert wurden. Aktuellstes Thema ist die vom Landkreis angeregte Sozialraumplanung. „Wir haben in diesem Bereich unser Standing“, betont Urthe Böhnert. Deswegen habe man auch Interesse an einer Trägerschaft.
Jugendarbeitslosigkeit und Aussiedlerintegration waren vor zehn Jahren die beherrschenden Themen im Verein für Jugendhilfe. Heute sind es die Integration von Migranten und familienfreundliche Dienstleistungen. „Bei uns im Haus wird im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel gedacht. Wir sind auf dem Stand der politischen Diskussion und der gesellschaftlichen Veränderungen, in denen wir stecken“, macht die Geschäftsführerin klar.
Um weiter am Ball zu bleiben, ist gerade in diesen Tagen ein umfangreicher Fragenkatalog als Grundlage für den neuen Förderantrag beantwortet worden. Neben der Projektplanung nimmt ein gewaltiger verwaltungstechnischer Arbeitsaufwand viel Zeit in Anspruch. „Das macht uns die Arbeit nicht leichter“, sagt Urthe Böhnert. der Pressebericht zum Download [1.232 MB]
Quelle:Bersenbrücker Kreisblatt vom 28.2.2009 [Fotos von Wolfgang Thäsler]